Kapselfibrose nach einer Brustvergrößerung

Was ist eine Kapselfibrose?

Kapselfibrose nach einer Brustvergrößerung

Wer sich über den Ablauf und die Risiken einer Brustvergrößerung informiert wird irgendwann zwangsläufig auch über den Begriff „Kapselfibrose“ stolpern. Wir beantworten ihnen hier die wichtigsten Fragen zum Thema der Kolplikation einer Kapselfibrose nach Brustvergrößerung.

Eine Kapselfibrose bezeichnet eine übermässige Verhärtung und Verdickung der bindegewebigen Kapsel die sich um einen Fremdkörper, in diesem Fall ein Silikonimplantat in der Brust, bildet.

Wie bildet sich eine Kapselfibrose?

Die natürliche  Immunreaktion unseres  Körpers besteht darin, Fremdkörper, die sich nicht vom Immunsystem besiegen lassen wollen, durch die Bildung einer zarten Bindegewebshülle vom Organismus abzuschirmen. Eine Überreaktion des Körpers führt dann zu einer Kapselfibrose. Die genaue Ursache hierfür ist bis dato noch unbekannt. Als mögliche Ursachen für die Ausbildung einer Kapselfibrose werden Entzündungen diskutiert, die von einer Bakterienbesiedlung  auf dem Brustimplantat ausgelöst werden. Ferner werden  auch Nachblutungen oder Bestrahlungen im Zusammenhang mit Brustrekonstruktionen als Auslöser angenommen.

Kann man eine Kapselfirose mit einem Brustimplantat vermeiden?

Was die genauen Ursachen für die Ausbildung einer Kapselfibrose bei Silikonimplantaten sind wird intensiv beforscht, ist aber letztendlich noch unklar. Man hat aber gewisse Faktoren ausgemacht die Entstehung eine Kapselfibrose begünstigen können.

Kapselfibrose in der Brust Brustimplantate mit einer texturierten  Implantatoberfläche zeigen in Studien ein niedrigeres Risiko für eine Kapselfibrose als glattwandige. Das Kapselfibrose-Risiko liegt hierbei dann  unter fünf Prozent. Implantate die mit Polyurethan beschichtet sind wachsen fest ein und bilden so fast nie eine Kapselfibrose aus. Die Lage des Silikonimplantates unter dem großen Brustmuskel (Musculus pectoralis major) verringert das Risiko ebenfalls.

Es sollte möglichst atraumatisch und schonend operiert werden, größere Blutungen sollten vermieden werden. Auch die Besiedlung des Implantates mit Bakterien scheint eine Kapselfibrose zu begünstigen. So muss immer zu 100 % steril gearbeitet werden. Die Implantate dürfen immer nur mit neuen, sterilen Handschuhen angefasst werden, es wird vor der Implantation erneut desinfiziert und die Implantathöhlen sorgsam ausgespült. Während der Operation wird ein Antibiotikum intravenös verabreicht. Mit diesen intraoperativen Maßnahmen kann einer Kapselfibrose vorgebeugt werden.

Postoperativ ist eine Ruhigstellung in einem Kompressions-BH ggf. mit zusätzlicher Anlage eines Brustgurtes notwendig um eine Bewegung des Implantates in seiner Höhle möglichst zu vermeiden.

Wie fühlt sich eine Kapselfibrose in der Brust an?

Wenn sich eine Kapselfibrose ausbildet dann ändert sich das Gefühl der Brust. Normalerweise sind die Brustimplantate von einer zarten Bindegewebskapsel umgeben und unterscheiden sich beim Anfassen nicht vom normalen Brustgewebe.

Wenn sich eine Kapselfibrose ausbildet kommt es zu einer zunehmenden Verhärtung und Spannung der Brust. Es können Brustschmerzen auftreten, die Lage des Implantates kann sich verändern, es können Falten oder Dellen auftreten und das Implantat sich durch die Spannung der Kapsel deformieren. Bei einseitigem Auftreten kann sich auch eine signifikante Brustasymmetrie zeigen.

Kapselfibrose Brust

Welche Art von Schmerzen hat man bei einer Kapselfibrose?

Der Grad der Schmerzen bei einer Kapselfibrose kann von fast unmmerklich bis ganz erheblich schmerzhaft variieren. Typische Beschwerden sind ein Druck- oder Spannungsgefühl in der Brust, das Implantat wird plötzlich als Fremdkörper wahrgenommen. Es können auch eine Berührungsempfindlichkeit oder ziehende Schmerzen auftreten die bis in die Arme oder Rippen ausstrahlen und zu einer entsprechenden Bewegungseinschränkung führen.

Gibt es Kapselfibrose Anzeichen?

Anzeichen der Entwicklung einer Kapselfibrose sind kurz zusammengefasst das ein- oder beidseitige Auftreten von zuvor nicht vorhandenen Schmerzen, Druck- oder Spannungs- Fremdkörpergefühl in der Brust. Weitere Zeichen der Kapselfibrose sind die Verformung der Brust und Veränderung der Form des Silikonimplantates, sowie Verschiebung oder Verdrehung des Implantats. Die zuvor fast unmerkliche Implantatkapsel wird derbe, hart und deutlich tastbar. Es entstehen Falten, Dellen oder Formänderungen.

Entsteht eine Kapselfibose oft nach einer Brustvergrößerung? In welchem Zeitraum?

Prinzipiell kann eine Kapselfibrose nach Abschluss der Wundheilung faktisch zu jedem Zeitpunkt nach einer Brustvergrößerung mit einem Silikonimplantat auftreten. Studien haben aber gezeigt, dass 60% der Kapselfibrosen in den ersten sechs Monaten nach einer Brustvergrößerung mit Silikonimplantaten und 90% innerhalb des ersten Jahres nach dem Eingriff auftraten.

Ab wann muss eine Kapselfibrose operiert werden?

Prinzipiell ist eine Kapselfibrose kein Notfall. Bei den Stadien Baker I. und II. besteht meist auch keine Notwendigkeit einer Intervention wenn keine relevanten Beschwerden bestehen.

Die Stadien Baker III. und IV. sind meist therapiebedürftig. Nicht-chirurgische Maßnahmen sind die Behandlung mit Ultraschall und Massagen.

Bei einem operativen Eingriff wird je nach Befund und Ausprägung entweder die Kapsel eingeschnitten oder teilweise oder ganz entfernt und das Implantat ausgewechselt.

Kapselfibrose nach einer Brustvergrößerung

Was gibt es für Kapselfibrose Stadien?

Die Einteilung der Kapselfibrose erfolgt zum einen entsprechend der feingeweblichen Untersuchung nach Wilfingseder et al. und klinisch nach Baker.

Wilfingseder  unterteilt die klinischen und geweblichen Veränderungen, die bei einer Kapselfibrose auftreten in vier Schweregrade. Beim Typ I liegt eine sehr dünne und nicht kontrakte Kapsel vor, was den Normalzustand darstellt. Die Typ-II- und Typ -III-Kapselfibrosen unterscheiden sich durch die Ab- oder Anwesenheit von Fremdkörperriesenzellen in der implantatnahen Schicht der Kapsel. Beim Typ IV liegt eine zelluläre Entzündungsreaktion mit Fremdkörpergranulomen und Gefäßneubildungen vor.

Baker unterteilt die Schweregrade der Kapselfibrose ebenfalls in vier Grade:

Bei einer Kapselfibrose I. Grades ist das Implantat nicht palpabel und die Implantatkonturen nicht sichtbar. Bei Baker II. ist das  Implantat leicht verhärtet, die Implantatkonturen sind weiterhin nicht sichtbar. Beim Grad  III. ist das  Implantat eindeutig verhärtet, die Implantatkonturen sind nun sichtbar. Bei Baker IV ist das Implantat stark verhärtet, es zeigt sich eine Implantatdislokation und  Deformierung der Brust.